Schimmel entsteht, wo warme, feuchte Raumluft auf eine kalte Oberfläche trifft – und er verschwindet nur dauerhaft, wenn diese Ursache behoben wird. Bei einer Fläche unter einem halben Quadratmeter und oberflächlichem Befall ist die Beseitigung in Eigenregie mit 70-prozentigem Alkohol möglich. Größere Flächen, Befall im Putz oder in der Dämmung und jeder Befall nach einem Wasserschaden gehören in Fachhände. Der erste Schritt ist immer die Messung: Oberflächentemperatur der Wand und relative Luftfeuchte im Raum – ohne diese beiden Zahlen ist jede Sanierung ein Ratespiel.
Die vier Ursachen – und wie man sie unterscheidet
Ob in einem Altbau in der Passauer Innstadt oder in einem Neubau in Salzweg: Jeder Schimmelbefall hat genau eine dieser vier Ursachen.
Jeder Schimmelbefall hat eine von vier Ursachen. Die Unterscheidung ist der wichtigste Schritt, weil sich daraus völlig verschiedene Maßnahmen ergeben.
| Ursache | Typisches Bild | Erkennungsmerkmal |
|---|---|---|
| Wärmebrücke | Zimmerecken, Fensterlaibung, hinter Möbeln | Befall genau an kältester Stelle, scharf begrenzt |
| Zu hohe Raumluftfeuchte | mehrere Räume, Außenwände flächig | Luftfeuchte dauerhaft über 60 % |
| Wasserschaden oder Leckage | ein Bereich, von unten oder aus der Wand | Feuchtefleck breitet sich aus, Putz löst sich |
| Aufsteigende Feuchte | Sockelbereich, Keller, Erdgeschoss | waagerechte Feuchtegrenze, Salzausblühungen |
Die Unterscheidung zwischen den ersten beiden Fällen ist entscheidend für die Frage, wer handeln muss: Eine Wärmebrücke ist ein Baumangel, zu hohe Raumluftfeuchte ist eine Frage der Nutzung. In der Praxis wirken oft beide zusammen.
Was Sie selbst machen können – und wo die Grenze liegt
Die Bundesbehörden geben eine praktikable Grenze vor: Bis etwa einen halben Quadratmeter oberflächlichen Befall auf festem, nicht saugendem Untergrund ist die Beseitigung in Eigenregie vertretbar. Darüber hinaus, bei Befall im Material und bei gesundheitlich vorbelasteten Personen im Haushalt gehört die Sanierung in Fachhände.
Bei kleinen Flächen richtig vorgehen:
- Schutz anlegen
FFP2-Maske, Handschuhe, Schutzbrille. Fenster öffnen, Türen zu anderen Räumen schließen.
- Nicht trocken abbürsten
Trockenes Bürsten setzt Sporen frei. Die Fläche vorher anfeuchten.
- Mit 70-prozentigem Alkohol behandeln
Ethanol oder Isopropanol aus der Apotheke. Höher konzentrierter Alkohol wirkt schlechter, weil er zu schnell verdunstet. Auf Fugen und Silikon wirkt er ebenfalls.
- Textilien und Poröses entsorgen
Tapete, Gipskarton, Dämmmaterial, Silikonfugen, Polster: Was durchwachsen ist, wird nicht sauber, sondern entsorgt.
- Ursache messen
Oberflächentemperatur der Wand und Luftfeuchte im Raum. Ohne diesen Schritt kommt der Befall wieder.
Was nicht funktioniert: Chlorreiniger auf saugendem Untergrund – er bleicht die Farbe, tötet aber nur oberflächlich und hinterlässt Feuchtigkeit. Anti-Schimmel-Farbe über bestehendem Befall – sie überdeckt und verzögert. Essig – er liefert auf Kalkputz sogar Nährstoffe. Und schließlich: mehr heizen allein, wenn die Ursache eine Leckage ist.
Was eine fachgerechte Sanierung kostet
| Leistung | Kosten | Hinweis |
|---|---|---|
| Feuchtemessung und Ortstermin | 150 – 400 € | oft anrechenbar bei Beauftragung |
| Sachverständigengutachten | 800 – 2.500 € | bei Streit mit Vermieter oder Versicherung |
| Oberflächensanierung je m² | 30 – 70 € | Reinigen, desinfizieren, neu beschichten |
| Putz abtragen und neu je m² | 70 – 140 € | bei Befall im Putz |
| Sanierputz mit Salzsperre je m² | 95 – 180 € | bei aufsteigender Feuchte |
| Trockenbauwand erneuern je m² | 85 – 165 € | Gipskarton ist bei Befall immer Entsorgung |
| Bautrocknung je Gerät und Woche | 120 – 280 € | zzgl. Stromkosten |
| Innendämmung gegen Wärmebrücke je m² | 85 – 165 € | kapillaraktiv, nicht dampfdicht |
| Dezentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung | 900 – 1.800 €/Gerät | bei nicht behebbarem Feuchteüberschuss |
Unverbindliche Markt- und Orientierungswerte für Passau und Niederbayern, Stand 2026, Bruttopreise einschließlich Umsatzsteuer. Es handelt sich nicht um Preise eines aktuell angebotenen eigenen Handwerkerservices. Maßgeblich ist immer das schriftliche Angebot des ausführenden Betriebs.
Mieter oder Vermieter: wer zahlt?
Die Antwort hängt allein an der Ursache, und genau darum wird gestritten. Die Rechtslage in Grundzügen: Liegt ein Baumangel vor – etwa eine Wärmebrücke, eine undichte Leitung oder aufsteigende Feuchte – ist der Vermieter zur Beseitigung verpflichtet, und es kann ein Mietminderungsrecht bestehen. Ist die Ursache ein Nutzungsverhalten, das über das Übliche hinausgeht, trägt der Mieter die Folgen.
Praktisch entscheidend sind drei Punkte:
- Dokumentieren, sofort. Fotos mit Datum, Ort im Raum, Ausdehnung. Dazu über mehrere Wochen ein Protokoll mit Raumtemperatur, Luftfeuchte und Lüftungszeiten. Ein solches Protokoll ist im Streitfall das stärkste Mittel, das Mieter haben.
- Schriftlich anzeigen. Mieter müssen den Mangel dem Vermieter melden – wer das versäumt, riskiert Schadensersatzansprüche. Eine E-Mail mit Fotos genügt formal, sie sollte aber nachweisbar zugehen.
- Ursache klären, bevor saniert wird. Wird der Befall überstrichen, bevor die Ursache dokumentiert ist, ist der Beweis verloren. Bei größeren Schäden ist ein Gutachten die Grundlage jeder weiteren Auseinandersetzung.
Wie diese Regeln in Ihrem Fall greifen, kann nur eine Prüfung des Einzelfalls klären – dafür ist eine Rechtsanwaltskanzlei oder ein Mieterverein zuständig.
Was in Passau besonders häufig vorkommt
Vier Konstellationen begegnen uns bei Objekten in Passau und im Landkreis Passau immer wieder. Sie erklären zusammen die große Mehrheit aller Schimmelfälle in der Region.
Hochwassernahe Lagen. In Ilzstadt, Innstadt und an der Donaulände zeigen Sockelbereiche und Kellerwände auch Jahre nach einem Hochwasser noch Restfeuchte und Salzbelastung. Die Salze bleiben im Mauerwerk und ziehen Feuchtigkeit aus der Luft – deshalb hilft dort ein normaler Kalkputz nicht, sondern nur ein Sanierputzsystem mit ausreichendem Porenvolumen.
Bruchsteinmauerwerk in der Altstadt. Massive Wände ohne Horizontalsperre sind in der Altstadt die Regel, nicht die Ausnahme. Aufsteigende Feuchte mit waagerechter Grenze im Sockelbereich ist dort ein bauzeitlicher Zustand, kein Schaden im Sinne eines Mangels – die Behandlung ist eine Frage der Bauunterhaltung, nicht der Reparatur.
Neue Fenster in unsanierten Wänden. Der häufigste Fall überhaupt und ein Ergebnis richtiger Absicht: Nach dem Fenstertausch ist das Fenster nicht mehr die kälteste Fläche im Raum, sondern die ungedämmte Außenwandecke. Wo vorher Tauwasser am Glas herunterlief und verdunstete, schlägt es sich jetzt in der Ecke nieder. Mehr dazu unter Fenster austauschen: Kosten.
Kellerlüftung im Sommer. Ein hartnäckiger Irrtum: Im Sommer den Keller tagsüber lüften macht ihn feuchter, nicht trockener. Warme Außenluft mit hohem absoluten Wassergehalt kondensiert an den kalten Kellerwänden. Richtig ist die Lüftung in den kühlen Nachtstunden oder im Winter.
Vorbeugen: drei Regeln, die reichen
- Querlüften statt kippen
Zwei bis vier Mal täglich für fünf bis zehn Minuten Fenster ganz öffnen, möglichst gegenüberliegend. Ein gekipptes Fenster über Stunden kühlt die Laibung aus und tauscht kaum Luft – die schlechteste Kombination.
- Nach Feuchtequellen sofort lüften
Nach dem Duschen, Kochen und Wäschetrocknen entstehen mehrere Liter Wasserdampf. Tür zu, Fenster auf, bis der Spiegel frei ist.
- Möbel von Außenwänden abrücken
Fünf bis zehn Zentimeter Abstand, unten und oben offen. Hinter einem dicht an die kalte Außenwand gestellten Schrank sinkt die Oberflächentemperatur um mehrere Grad – das ist der klassische Ort für den ersten Befall.
Wenn diese drei Regeln eingehalten werden und die Luftfeuchte dennoch dauerhaft über 60 Prozent liegt, ist die Ursache baulich – dann hilft kein weiteres Lüften, sondern nur eine Messung und die Behebung der kalten Stelle.
Schimmel in der Wohnung – häufige Fragen
Ab welcher Größe muss ein Fachbetrieb ran?
Als Faustregel gilt: Bis etwa einen halben Quadratmeter oberflächlichen Befall auf festem, nicht saugendem Untergrund ist Eigenregie vertretbar. Größere Flächen, Befall im Putz, in der Dämmung oder in Trockenbauwänden sowie jeder Befall nach einem Wasserschaden gehören in Fachhände – ebenso bei gesundheitlich vorbelasteten Personen im Haushalt.
Womit entferne ich Schimmel richtig?
Mit 70-prozentigem Alkohol, also Ethanol oder Isopropanol aus der Apotheke. Höher konzentrierter Alkohol wirkt schlechter, weil er zu schnell verdunstet. Die Fläche vorher anfeuchten, nie trocken bürsten. Chlorreiniger, Essig und Anti-Schimmel-Farbe über bestehendem Befall lösen das Problem nicht.
Wie erkenne ich, ob es ein Baumangel ist?
Mit zwei Messungen: Oberflächentemperatur der Wand mit einem Infrarot-Thermometer und relative Luftfeuchte mit einem Hygrometer. Ist die Luftfeuchte im normalen Bereich und die Wandoberfläche an der Befallstelle deutlich kälter als anderswo, spricht das für eine Wärmebrücke – also für einen baulichen Grund.
Muss der Vermieter Schimmel beseitigen?
Wenn ein Baumangel die Ursache ist – etwa eine Wärmebrücke, eine undichte Leitung oder aufsteigende Feuchte – ja. Liegt die Ursache in einem Nutzungsverhalten über dem Üblichen, trägt der Mieter die Folgen. Wie das im Einzelfall zu bewerten ist, klärt eine Rechtsanwaltskanzlei oder ein Mieterverein.
Wie dokumentiere ich Schimmel für den Streitfall?
Fotos mit Datum und erkennbarem Ort im Raum, dazu über mehrere Wochen ein Protokoll mit Raumtemperatur, Luftfeuchte und Lüftungszeiten. Wichtig: den Mangel schriftlich und nachweisbar beim Vermieter anzeigen und nicht überstreichen, bevor die Ursache dokumentiert ist.
Was kostet eine Schimmelsanierung?
Oberflächensanierung 30 bis 70 Euro je Quadratmeter, Putz abtragen und neu aufbringen 70 bis 140 Euro, Sanierputz mit Salzsperre 95 bis 180 Euro. Dazu kommen Feuchtemessung mit 150 bis 400 Euro und bei Streitfällen ein Gutachten mit 800 bis 2.500 Euro.
Sollte man den Keller im Sommer lüften?
Nicht tagsüber. Warme Sommerluft enthält viel Wasser und kondensiert an den kalten Kellerwänden – der Keller wird dadurch feuchter. Richtig ist die Lüftung in den kühlen Nachtstunden oder in der kalten Jahreszeit.
Warum kam Schimmel erst nach dem Fenstertausch?
Weil neue Fenster dichter sind als die alten. Vorher entwich Feuchtigkeit durch die undichten Fugen, und Tauwasser schlug sich am kalten Glas nieder. Nach dem Tausch bleibt die Feuchte im Raum, und die kälteste Fläche ist die ungedämmte Wandecke. Abhilfe schafft angepasstes Querlüften oder eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung.
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